Lucie Adelsberger Medaille

Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V. (GPA) hat in diesem Jahr im Rahmen des 10. Deutschen Allergiekongresses in Köln erstmals die Lucie Adelsberger Medaille verliehen. Der Ehrenpreis soll an die deutsche Kinderärztin/Internistin und pädiatrische Allergologin Dr. Lucie Adelsberger erinnern. Die GPA vergibt die Lucie Adelsberger Medaille für hervorragende Leistungen im Gebiet der pädiatrischen Allergologie in wissenschaftlicher, ärztlicher und gesellschaftlicher Hinsicht. Entsprechend der wissenschaftlichen und beruflichen Ziele der Namensgeberin Lucie Adelsberger soll dieser Preis besonders die Kolleginnen und Kollegen ehren, die sich um die Forschung und Lehre, den Wissenstransfer von der Klinik in die Praxis und die Verbesserung der Situation allergiekranker Kinder und Jugendlicher verdient gemacht haben. Weitere [Informationen]

Lucie Adelsberger wurde am 12. April 1895 in Nürnberg als erstes von 3 Geschwistern geboren. Nach dem Abitur am 14.07.1914 begann sie an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen Medizin und im Nebenfach Naturwissenschaften zu studieren. Nach dem Staatsexamen 1919 begann Lucie Adelsberger mit ihrem Praktischen Jahr, promovierte und erlangte 1925 und 1926 die Facharztspezialisierungen für Innere Medizin und Kinderheilkunde. Gleichzeitig war sie wissenschaftlich tätig und befasste sich vor allem mit den verschiedenen Formen der Überempfindlichkeit beim Menschen, der Allergie. 1925 eröffnete Lucie Adelsberger eine Praxis in Berlin und arbeitete als Internistin und Kinderärztin mit dem Schwerpunkt allergische Krankheiten. In den folgenden Jahren erschienen zahlreiche Publikationen, Lucie Adelsberger wurde zudem Mitglied einer neu gegründeten Forschungsgruppe am Robert Koch-Institut und leitete dort zusammen mit Hans Munter die Beobachtungsstelle für Überempfindlichkeitsreaktionen. Beide wurden am 31.03.1933 entlassen, am 22. April 1933 verlor Lucie Adelsberger, wie alle nichtarischen Ärzte, ihre Zulassung bei den Krankenkassen. Im Frühjahr und Sommer 1938 hielt Adelsberger sich an der Harvard-University in Boston auf, konnte aber weder dort noch einige Monate später in London bleiben und arbeiten. Am 30. September 1938 wurde allen jüdischen Ärztinnen und Ärzten die Approbation entzogen. Am 17. Mai 1943 wird Lucie Adelsberger mit dem „38. Osttransport“ von Berlin nach Auschwitz deportiert. Sie wird dort als Ärztin der Kinder im Zigeunerlager und im Frauen-Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau eingesetzt. Sie übersteht den berüchtigten Rückmarsch in das KZ Ravensbrück. Am 2.5.1945 wird sie befreit. In den folgenden Jahren lebte sie zunächst in Amsterdam, arbeitete dann ab 1947 in Kliniken in New York als Ärztin und publiziert zu Themen aus der Allergologie und Immunologie. Am 2.11.1971 stirbt Lucie Adelsberger in New York.
(Foto aus "Auschwitz: ein Tatsachenbericht; das Vermächtnis der Opfer für uns Juden und für alle Menschen / Lucie Adelsberger", Herausgeber Eduard Seidler, ISBN 3-416-02986-0, Bouvier-Verlag Bonn)

Die Preisträger

2017
Prof. Bodo Niggemann, Berlin

Prof. Bodo Niggemann, Berlin, wurde für sein über drei Jahrzehnte währendes, herausragendes Engagement für die pädiatrische Allergologie mit der Lucie Adelsberger Medaille ausgezeichnet. Damit wird nicht nur seine wissenschaftliche Leistung, die ihren Niederschlag in 342 wissenschaftlichen Veröffentlichungen, 30 Buchbeiträgen sowie sechs Büchern gefunden haben, gewürdigt, sondern auch seine über viele Jahr andauernde Tätigkeit als Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft allergologisch tätiger Kinderärzte, der späteren nappa, der GPA und weiterer wissenschaftlicher Gesellschaften. [Laudatio]

 

 

Prof. Dr. Christian Vogelberg, Prof. Dr. Wolfgang Leupold (von links)

2016
Prof. Dr. Wolfgang Leupold, Dresden

Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V. (GPA) hat anlässlich des diesjährigen Deutschen Allergiekongresses in Berlin Prof. Dr. Wolfgang Leupold, Dresden, mit der Lucie Adelsberger Medaille ausgezeichnet. Prof. Dr. Leupold erhält diese Auszeichnung für sein Lebenswerk als Kinder- und Jugendarzt mit Leib und Seele, das weit über sein Spezialgebiet, die pädiatrische Pneumologie und Allergologie, hinausgeht. Als einer der Gründungsväter der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Pneumologie und Allergologie e.V. (APPA) hat sich Leupold in besonderem Maße um die Förderung der wissenschaftlichen Forschung sowie die Fortbildung im Bereich der pädiatrischen Pneumologie und Allergologie verdient gemacht. Aufgrund seiner hohen fachlichen Kompetenz mit seinem zurückhaltenden, bescheidenen, anderen gegenüber immer loyalen Auftreten ist Wolfgang Leupold auch nach seiner aktiven Zeit ein gefragter Experte seines Fachgebiets.

2015
Prof. Dr. Radvan Urbanek, Freiburg

Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V. (GPA) hat im Jahr 2015 erstmals die Lucie Adelsberger Medaille an Prof. Dr. Radvan Urbanek, Freiburg, verliehen. Der Preisträger wurde am 20. November 1943 in Prag geboren, wo er auch Medizin studierte und promovierte; 1971 erlangte er den Facharzt für Kinderheilkunde an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Dort hat er sich 1980 habilitiert über „Immunologische Untersuchungen bei Allergien im Kindesalter“ – mit einem wesentlichen Fokus auf der Insektengift-Allergie. Wissenschaftlich hat er 1983/1984 mit einem Forschungsaufenthalt im Guy‘s Hospital in London nochmals seinen immunologischen Horizont erweitert.
Er ist einer der Gründer der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Allergologie Süd – einerseits als trinationale (Schweiz-Österreich-Deutschland) AG, andererseits als ein Fundament der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie. 1990 wurde er auf den „von Pirquet-Lehrstuhl“ der Universitäts-Kinderklinik Wien berufen. Neben der Leitungsaufgabe der großen Abteilung für Allgemeinpädiatrie hat er sich dort auch stets hochengagiert mit der Allergologie und Pneumologie beschäftigt.
Er wird den Anforderungen, die den Trägerinnen und Trägern der Lucie Adelsberger Medaille gestellt sind, in besonderer Weise gerecht, wie Prof Johannes Forster in seiner Laudatio betonte. Er hat sich nicht nur, um die Forschung und die allergologische Krankenversorgung verdient gemacht, er ist auch ein hervorragender Lehrer. Er ist ein mitreißendes Vorbild, auch jetzt noch, da er seit 2006 wieder in der Allergie- und Pneumologie-Ambulanz des Zentrums für Kinderheilkunde und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Freiburg als Arzt, Berater und Ausbilder tätig ist.

Die regionalen Arbeitsgemeinschaften der GPA
Westdeutsche Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Pneumologie und Allergologie e.V. (WAPPA)Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Pneumologie und Allergologie e.V.Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Allergologie und Pneumologie Süd e. V. (AGPAS)