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Diagnostik vor Beginn einer spezifischen Immuntherapie

Die spezifische Immuntherapie (SIT) stellt die einzige kausale Therapie allergischer Erkrankungen dar. Darüber hinaus ist möglicher Schutz vor der Entwicklung eines Asthma bronchiale bei allergischer Rhinokonjunktivitis (sog. Etagenwechsel) sowie vor Neusensibilisierungen beschrieben. Daher spielt die SIT gerade im Kindes- und Jugendalter eine große Rolle und sollte bei gegebener Indikation frühzeitig eingeleitet werden. Voraussetzung für Einleitung der SIT ist eine sinnvolle Stufendiagnostik [mehr]. Foto © iKOMM

Bessere Chancen für Kinder mit Mukoviszidose

Seit Anfang August werden alle Neugeborenen in Deutschland auf Mukoviszidose untersucht. Dies hat zu vielen Fragen bei niedergelassenen Kinder- und Jugendärzten geführt. Wie geht man mit einem positiven Screening Ergebnis um? Wie müssen die Eltern weiter beraten und betreut werden? Antworten auf diese und viele Fragen mehr beantwortet PD Dr. med. Thomas Nüßlein, Koblenz. [mehr]
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Entlastung des Praxisbudget: Adrenalin

Adrenalin kann jetzt direkt aus der Ampulle aufgezogen und i.m. in den Oberschenkel injiziert werden, statt Fertigpens in der Praxis bereitzulegen.
Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die Hersteller angewiesen, die Gebrauchsinformation der Adrenalin/Epinephrin-Lösungen, die 1 mg/ml enthalten, entsprechend zu ändern. [mehr]

Unverpackte Nahrungsmittel, eine Gefahr für Kinder mit Allergie?

Die Beratung von Eltern, deren Kinder eine Nahrungsmittelallergie haben ist eine tägliche Aufgabe in Kinder- und Jugendärztlichen Praxen.
Häufig führt eine Allergie gegen Nahrungsmittel zu erheblichen Einschränkungen im Leben der betroffenen Kinder und Familien. Diätfehler können schwere Komplikationen zur Folge haben.

Eine Gefahr kann dabei durch unverpackte Lebensmittel z.B. in Bäckereien drohen! Die Eltern müssen davor gewarnt werden, mündlichen Angaben über die Inhaltsstoffe von solchen Nahrungsmitteln unkritisch zu glauben, wie eine Studie aus Berlin* zeigt:

Die AutorInnen stellten sich folgende Fragen:

  • Wie häufig sind versehentliche allergische Reaktionen auf unverpackte Nahrungsmittel?
  • Wie gut sind Verkäufer/Verkäuferinnen über Allergien und Inhaltsstoffe informiert?

Untersucht wurde dies am Beispiel der Kuhmilchallergie:200 Eltern von Kindern mit einer vermittelten Kuhmilchallergie wurden danach gefragt, ob ihr Kind bereits einmal eine allergische Reaktion auf ein nicht-verpacktes Nahrungsmittel hatte. Weiterhin gaben die Eltern Auskunft darüber, wie sie in Bäckereien, Eissalons oder Restaurants über die Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln aufgeklärt wurden.

Gleichzeitig befragten die Autorinnen die MitarbeiterInnen von 50 Bäckereien danach, wie häufig bei Ihnen Kunden mit Nahrungsmittelallergie einkaufen, wie sie diese aufklären und wie gut sie selbst über die Inhaltsstoffe der von ihnen verkauften Nahrungsmittel informiert sind.
Nach dem Interview sollten die VerkäuferInnen zwei Produkte empfehlen, die als sicher und frei von jeglicher Kuhmilch anzusehen waren. Diese wurden dann im Labor untersucht.

Die Ergebnisse sind eindrucksvoll und erschreckend
Vier von zehn Eltern berichteten, dass ihr Kind bereits eine allergische Reaktion auf ein nicht verpacktes Nahrungsmittel erlitten hatte. 10 % davon erlitten eine schwere Reaktion (Anaphylaxie)!
Fast alle Eltern fragen regelmäßig nach den Inhaltsstoffen unverpackter Lebensmittel bevor sie diese ihren Kindern zu essen geben. Fast 1/3 hatte dabei bereits die Erfahrung gemacht, falsche Auskünfte zu erhalten!

Fast noch besorgniserregender war die Situation bei den VerkäuferInnen
Obwohl die große Mehrheit von Ihnen sich in der Lage sah, Allergiker bei der Auswahl von Nahrungsmitteln zu beraten, wusste ¼ nicht, ob die von ihnen empfohlenen Produkte separat von solchen mit hochpotenten Allergieauslösern (Milch, Ei, Nüsse etc) hergestellt worden waren.
In 2/3 der Bäckereien wurden Nahrungsmittel mit hochpotenten Allergenen nicht separat von anderen gelagert und angeboten!
Fast alle Bäckereien verkauften den Forschern ein Produkt, in dem keine Kuhmilch enthalten sei.
Die Untersuchung im Labor ergab allerdings, dass bei über 40 % dieser Produkte doch Kuhmilch in teilweise hohen Mengen enthalten war – diese Backwaren hätten also zu schweren allergischen Reaktionen bei Allergikern führen können.

Fast 60% der VerkäuferInnen, die von sich selbst angaben, kompetent über Inhaltsstoffe beraten zu können verkauften mindestens eins fälschlicherweise als kuhmilchfrei eingestuftes Produkt!

Die Folgerungen für die betroffenen Patienten und Familien sind klar und eindeutig:

  • Unverpackte Ware aus Bäckereien stellt eine reale Gefährdung für Kinder mit Kuhmilchallergie dar
  • Eine Beratung von Eltern sollte die möglichen Unterschiede in Rezepturen und möglichen Kontaminationen (Verunreinigungen) berücksichtigen
  • Eine korrekte und direkt zugängliche schriftliche Informationen über Inhaltsstoffe unverpackter Ware ist dringend erforderlich!
  • Mündliche Auskünfte sind häufig nicht zuverlässig – die Selbsteinschätzung von Verkäufern/Verkäuferinnen oft nicht realistisch
  • Kenntnisse über Produktionsbedingungen sind oft nicht vorhanden (Großbäckereien – Lieferketten)
  • Eine Trennung von Nahrungsmitteln mit potenten Allergenen von anderen ist meist nicht vorhanden

Seit Dezember 2014 ist es in der Europäischen Union vorgeschrieben, Angaben über Inhaltsstoffe unverpackter Ware in Geschäften auch schriftlich an die Verbraucher weiterzugeben.
Auch diese Verordnung lässt noch einige Wünsche offen – so gibt es beispielsweise keine Verpflichtung für Geschäfte, ihre MitarbeiterInnen in der Beratung von Allergikern zu schulen. Auch werden Verstöße gegen die Deklarierungspflicht bislang nicht geahndet.

Trotzdem stellt diese Verordnung einen wichtigen Schritt zu mehr Sicherheit für Allergiekranke Kinder, Jugendliche und Erwachsene dar.
Eltern sollten in Geschäften auf schriftlichen Angaben über Inhaltsstoffe bestehen und sich nicht auf mündliche Auskünfte verlassen!

*Detection of relevant amounts of cow’s milk protein in non-pre-packed bakery products sold as cow’s milk-free, Trendelenburg V, Enzian N, Bellach J, Schnadt S, Niggemann B, Beyer K., Allergy 2015; 70: 591–597

Foto: © MovingMoment | Fotolia



MFA Aktuell | Mai 2015

AKTUELLES AUS DER FORSCHUNG
Regelmäßiger Verzehr von Erdnuss verhindert die Entwicklung einer Erdnussallergie bei Kleinkindern – die Ergebnisse der LEAP Studie

Wie kann ich verhindern, dass mein Kind eine Allergie bekommt?
Diese Frage stellen uns viele Eltern, vor allem Eltern, die selbst an einer Allergie erkrankt sind und wissen, dass ihre Kinder ein erhöhtes Allergierisiko haben.
Besonders gefährlich können Allergien gegen Nahrungsmittel sein, die manchmal zu schweren allergischen Reaktionen, der Anaphylaxie führen. Ein Nahrungsmittel, welches hier eine große Rolle spielt, ist die Erdnuss.

Die Allergie gegen Erdnuss (wie auch alle Allergien gegen Nahrungsmittel) ist eine falsche Reaktion des Immunsystems gegen ein an und für sich harmloses Eiweiß (z. B. in der Erdnuss). Auffallend ist, dass sich die Zahl der Erdnussallergien in den letzten 10 Jahren in den USA und anderen Staaten verdoppelt hat. In allen diesen Ländern wurde den Eltern empfohlen, in der Schwangerschaft Erdnuss zu vermeiden aber vor allem den Kindern während des Stillens und der Kleinkindzeit keine Erdnuss zu geben. Schon seit einigen Jahren häufen sich die Hinweise darauf, dass dies wahrscheinlich nicht sinnvoll ist. In der sogenannten LEAP Studie wurde dies nun systematisch untersucht.

Die Ergebnisse des sogenannten „Immune Tolerance Network`s (Netzwerk für Immuntoleranz ITN), einer internationalen Forschungsgemeinschaft wurden im Februar im „New England Journal of Medicine“, einer der angesehensten medizinischen Fachzeitschriften veröffentlicht.

LEAP steht für: Learning Early About Peanut

In der Studie wird gezeigt, dass die frühzeitige gezielte Gabe von Erdnuss an Kinder, die ein hohes Risiko haben eine Allergie zu entwickeln (z.B. weil die Eltern ebenfalls eine Allergie haben) diese Kinder vor der Entwicklung einer Allergie schützt!
Die Studie, geleitet von Prof. Gideon Lack vom King`s College in London ist die erste kontrollierte und „randomisierte“1 Studie an einer großen Zahl von Kindern zu dieser Frage.

Alle Kinder in der Untersuchung waren sogenannte Risikokinder für die Entwicklung einer Allergie
Die Annahme in der LEAP Studie war, dass die regelmäßige Gabe von Erdnuss bereits bei kleinen Kindern eine schützende Antwort des Immunsystems und keine Allergie hervorrufen würde.

Über 600 Kinder zwischen 4 und 11 Monaten wurden zufällig (randomisiert1) verteilt. Eine Gruppe sollte Erdnuss konsequent vermeiden. Die Kinder in der anderen Gruppe erhielten regelmäßig (3x in der Woche) einen Snack mit Erdnuss.

Die Ergebnisse waren beeindruckend
Von den Kindern, die keine Erdnuss zu sich nahmen entwickelten 17 % eine Allergie bis zum Alter von 5 Jahren. Dagegen erkrankten nur 3% von den Kindern, die regelmäßig Erdnuss aßen!
Die Autoren der Studie schlossen aus diesem Ergebnis, dass offenbar der regelmäßige Verzehr von Erdnuss eine wirksame Maßnahme zur Vermeidung einer Allergie gegen Erdnuss ist.
Warum dies so ist, ist bis jetzt noch nicht eindeutig geklärt. Man nimmt an, dass der Darm eines Kindes bei regelmäßiger Aufnahme eines Nahrungsmittels darauf eingestellt ist eine Toleranz gegenüber diesem Nahrungsmittel zu entwickeln, d.h. nicht allergisch zu reagieren.

„Über Jahrzehnte haben Allergologen empfohlen, hoch allergene (= häufig eine Allergie auslösende) Nahrungsmittel wie die Erdnuss zu vermeiden, um einer Nahrungsmittelallergie vorzubeugen,“ kommentiert Prof. Lack das Ergebnis, „unsere Ergebnis legen nahe, dass dieser Rat nicht korrekt war und vielleicht zu der steigenden Zahl von Erdnuss- und anderen Nahrungsmittelallergien beigetragen hat.“

1 Randomisierung (von englisch: at random = zufällig) bedeutet, dass die Zuordnung zu einer der Behandlungsgruppen in einer Studie (in dieser Studie z. B. Kinder mit Erdnussverzehr und ohne) nach dem Zufallsprinzip erfolgt. Zweck der Randomisierung ist es, zufällige oder gezielte Einflüsse von außen auf das Ergebnis der Studie, z.B. durch die Untersucher zu vermeiden.

Quellen
Du Toit G et al. Randomized trial of peanut consumption in infants at risk of peanut allergy. New England Journal of Medicine DOI: 10.1056/NEJMoa1414850 (2015).
http://www.leapstudy.com/leap-study-results

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Die regionalen Arbeitsgemeinschaften der GPA
Westdeutsche Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Pneumologie und Allergologie e.V. (WAPPA)Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Pneumologie und Allergologie e.V.Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Allergologie und Pneumologie Süd e. V. (AGPAS)