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Praxiswegweiser Anaphylaxie

Unter dem Begriff "Anaphylaxie" versteht man eine akut auftretende allergische Reaktion, von der mehrere Organsysteme  beziehungsweise der ganzen Körper betroffen sein kann. Dieser Zustand wird umgangssprachlich auch als anaphylaktischer Schock bezeichnet. Bei der Anaphylaxie können binnen Minuten nach Kontakt mit einem Allergen Atemnot, Blutdruckabfall sowie Herz- und Kreislaufversagen zu einer lebensbedrohlichen Lage führen. In dieser Situation ist schnelles und zielgerichtetes Handeln erforderlich. Unser "Praxiswegweiser Anaphylaxie" gibt klar und übersichtlich einen Überblick über Warn- und bedrohliche Zeichen sowie Handlungsanweisungen bei einer Anaphylaxie.

Asthma und COVID-19: Therapie unverändert fortführen

Eine gute und konsequente Therapie eines Asthma bronchiale auch mit inhalativen Corticosteroiden ist weiterhin die wichtigste Grundlage der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Asthma bronchiale. Vereinzelt wurden Stimmen laut, die die Therapie mit inhalativen Corticosteroiden aufgrund einer immunsuppressiven Wirkung dieser Therapie infrage stellten. Diesen Überlegungen widerspricht die GPA entschieden in einer aktuellen Stellungnahme. Eine gute und konsequente Behandlung mit fehlender Hyperreagibilität und Dyskrinie ist die beste Prävention einer Exazerbation durch virale Infektionen.

Mai 2015 | Ergebnisse der LEAP Studie

AKTUELLES AUS DER FORSCHUNG
Regelmäßiger Verzehr von Erdnuss verhindert die Entwicklung einer Erdnussallergie bei Kleinkindern – die Ergebnisse der LEAP Studie

Wie kann ich verhindern, dass mein Kind eine Allergie bekommt?
Diese Frage stellen uns viele Eltern, vor allem Eltern, die selbst an einer Allergie erkrankt sind und wissen, dass ihre Kinder ein erhöhtes Allergierisiko haben.
Besonders gefährlich können Allergien gegen Nahrungsmittel sein, die manchmal zu schweren allergischen Reaktionen, der Anaphylaxie führen. Ein Nahrungsmittel, welches hier eine große Rolle spielt, ist die Erdnuss.

Die Allergie gegen Erdnuss (wie auch alle Allergien gegen Nahrungsmittel) ist eine falsche Reaktion des Immunsystems gegen ein an und für sich harmloses Eiweiß (z. B. in der Erdnuss). Auffallend ist, dass sich die Zahl der Erdnussallergien in den letzten 10 Jahren in den USA und anderen Staaten verdoppelt hat. In allen diesen Ländern wurde den Eltern empfohlen, in der Schwangerschaft Erdnuss zu vermeiden aber vor allem den Kindern während des Stillens und der Kleinkindzeit keine Erdnuss zu geben. Schon seit einigen Jahren häufen sich die Hinweise darauf, dass dies wahrscheinlich nicht sinnvoll ist. In der sogenannten LEAP Studie wurde dies nun systematisch untersucht.

Die Ergebnisse des sogenannten „Immune Tolerance Network`s (Netzwerk für Immuntoleranz ITN), einer internationalen Forschungsgemeinschaft wurden im Februar im „New England Journal of Medicine“, einer der angesehensten medizinischen Fachzeitschriften veröffentlicht.

LEAP steht für: Learning Early About Peanut

In der Studie wird gezeigt, dass die frühzeitige gezielte Gabe von Erdnuss an Kinder, die ein hohes Risiko haben eine Allergie zu entwickeln (z.B. weil die Eltern ebenfalls eine Allergie haben) diese Kinder vor der Entwicklung einer Allergie schützt!
Die Studie, geleitet von Prof. Gideon Lack vom King`s College in London ist die erste kontrollierte und „randomisierte“1 Studie an einer großen Zahl von Kindern zu dieser Frage.

Alle Kinder in der Untersuchung waren sogenannte Risikokinder für die Entwicklung einer Allergie
Die Annahme in der LEAP Studie war, dass die regelmäßige Gabe von Erdnuss bereits bei kleinen Kindern eine schützende Antwort des Immunsystems und keine Allergie hervorrufen würde.

Über 600 Kinder zwischen 4 und 11 Monaten wurden zufällig (randomisiert1) verteilt. Eine Gruppe sollte Erdnuss konsequent vermeiden. Die Kinder in der anderen Gruppe erhielten regelmäßig (3x in der Woche) einen Snack mit Erdnuss.

Die Ergebnisse waren beeindruckend
Von den Kindern, die keine Erdnuss zu sich nahmen entwickelten 17 % eine Allergie bis zum Alter von 5 Jahren. Dagegen erkrankten nur 3% von den Kindern, die regelmäßig Erdnuss aßen!
Die Autoren der Studie schlossen aus diesem Ergebnis, dass offenbar der regelmäßige Verzehr von Erdnuss eine wirksame Maßnahme zur Vermeidung einer Allergie gegen Erdnuss ist.
Warum dies so ist, ist bis jetzt noch nicht eindeutig geklärt. Man nimmt an, dass der Darm eines Kindes bei regelmäßiger Aufnahme eines Nahrungsmittels darauf eingestellt ist eine Toleranz gegenüber diesem Nahrungsmittel zu entwickeln, d.h. nicht allergisch zu reagieren.

„Über Jahrzehnte haben Allergologen empfohlen, hoch allergene (= häufig eine Allergie auslösende) Nahrungsmittel wie die Erdnuss zu vermeiden, um einer Nahrungsmittelallergie vorzubeugen,“ kommentiert Prof. Lack das Ergebnis, „unsere Ergebnis legen nahe, dass dieser Rat nicht korrekt war und vielleicht zu der steigenden Zahl von Erdnuss- und anderen Nahrungsmittelallergien beigetragen hat.“

1 Randomisierung (von englisch: at random = zufällig) bedeutet, dass die Zuordnung zu einer der Behandlungsgruppen in einer Studie (in dieser Studie z. B. Kinder mit Erdnussverzehr und ohne) nach dem Zufallsprinzip erfolgt. Zweck der Randomisierung ist es, zufällige oder gezielte Einflüsse von außen auf das Ergebnis der Studie, z.B. durch die Untersucher zu vermeiden.

Quellen
Du Toit G et al. Randomized trial of peanut consumption in infants at risk of peanut allergy. New England Journal of Medicine DOI: 10.1056/NEJMoa1414850 (2015).
http://www.leapstudy.com/leap-study-results

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